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Kontextbasierte Interaktion am „Point of Sale“ mit Hilfe von iBeacons

von Alexander Jacker

 

Autor Alex Jacker

Alex Jacker Stud. Wirtschaftspsychologie

Der stationäre Handel sieht sich seit Jahren immer mehr mit der Konkurrenz aus dem stetig wachsenden Onlinehandel konfrontiert. Der Umsatz im Onlinehandel betrug 2013 mit 48,5 Mrd. Euro einen Anteil von etwa 11,2% am Einzelhandel. Im Jahr 2009 waren es noch 28,8 Mrd. Euro und ein Anteil von 7,3%. Eine kontinuierliche Steigerung ist in den kommenden Jahren abzusehen.

Dieser Trend betrifft nicht nur die Zugpferde im Distanzhandel wie Bücher, Elektronikartikel oder Kleidung, sondern weitet sich auch immer mehr auf größere und individuellere Artikel aus. Online-Möbelhäuser konnten ihrem Umsatz im Jahr 2012 um 76% steigern. Immer mehr Kunden vergleichen Produkte online, verlassen sich auf Empfehlungen von Freunden oder lassen sich von Rezessionen und Kundenbewertungen beraten.

Der Onlinehandel gewinnt immer mehr an Bedeutung, sodass man sich auch als Ladengeschäft kaum noch dagegen wehren kann. Eher müssen die Probleme und Nachteile des Einzelhandels analysiert und in Folge dessen, Synergien geschaffen werden. Das Ziel muss sein dem Kunden möglichst viele Vorteile und Annehmlichkeiten des Onlinehandels auch am „Point of Sale“ zu bieten. Ein weiterer zu beobachtender Trend, welchen den Unternehmern am „Point of Sale“ bei der Symbiose aus Online- und Offlinegeschäft zuträglich sein kann, ist die deutlich gesteigerte Nutzung des Smartphones beim Einkauf.

Der Anteil am Umsatz über diesen Bestellweg hat sich im Distanzhandel von 2012 auf 2013 von 5,1% auf 10,2% verdoppelt. Eine vielversprechende Technologie und Möglichkeit zur besseren Digitalisierung des Einzelhandels kommt aus dem Hause Apple. Am 10. Juni 2013 stellte das Unternehmen aus Cupertino auf der hauseigenen Entwicklermesse WWDC eine neue Technologie namens iBeacon vor.

Diese iBeacons sind kleine Sender, welche neue Möglichkeiten zur kontextbasierten Interaktion mit Smartphones bieten. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der noch recht neuen Technologie und, im speziellen, das Fallbeispiel am „Point of Sale“ und deren möglicher Mehrwert werden in dieser Arbeit behandelt. Hierzu wird zuerst die Funktionsweise der iBeacons aufgezeigt. Im Folgenden werden mögliche Realisierungen am „Point of Sale“ detailliert herausgearbeitet, welche den stationären Handel bei aktuellen Problemstellungen unterstützen können.

Das Übergeordnete Ziel ist es, mit Hilfe dieser Technologie eine bessere Verknüpfung zwischen dem Online- und Offlinehandel herzustellen und das Einkaufserlebnis für den Kunden attraktiver zu machen.

 

Was sind iBeacons?

Der Begriff „Beacon“ leitet sich vom englischen Wort „Leuchtfeuer“ oder „Signalfeuer“ ab. Die Technik basiert auf einem Sender-Empfänger-Prinzip. Dazu werden im Raum kleine Sender als Signalgeber platziert, die in regelmäßigen Zeitintervallen Signale senden. Kommt ein Empfänger, meist ein Smartphone, in die Reichweite eines Senders, kann die eindeutige ID des iBeacons und dessen Signalstärke identifiziert werden. Sind mehrere iBeacons in Reichweite, lässt sich die Position des Empfängers berechnen. Dadurch können abhängig vom Standort gezielt Aktionen am Smartphone ausgelöst werden.

Die Reichweite kann flexibel, je nach Einsatzzweck, von wenigen Zentimetern bis zu 80 Metern eingestellt werden.
Das Funkprotokoll basiert auf dem noch recht neuen Bluetooth Low Energy-Standard, auch Bluetooth 4.0 genannt. Bluetooth 4.0 ist ein energiesparendes Protokoll, welches im Gegensatz zu älteren Bluetooth-Technologien, die Akkulaufzeit kaum beeinträchtigt.

Dies ermöglicht eine dauerhafte Nutzung der Funktion des Smartphones und der Sender, die mit einer Mignon-Batterie bis zu zwei Jahre durchhalten. Der Standard wird von iOS 7 und Android Version 4.3 unterstützt und kann somit ab dem iPhone 4S, iPad 3 und iPod 5 sowie aktuellen Android-Geräten genutzt werden.

Die iBeacon Signale ermöglichen also eine kontextbasierte Interaktion mit mobilen Apps, abhängig von Lage und Zeitpunkt. Dazu ist es bei aktuellen Smartphones nicht einmal nötig die App zu starten. Dies geschieht automatisch wenn das Signal mit einer entsprechenden ID empfangen wird.

Beim Betreten eines Geschäfts kann so die App des Ladens geöffnet werden und ein Angebot oder eine Willkommensnachricht angezeigt werden. Wie aus der Beschreibung hervorgeht sind die beiden Haupteinsatzgebiete die Bestimmung des Standortes (Indoor Geolocation) und Nutzerinteraktionen auf Basis der Entfernung zu einem entsprechenden iBeacon. Standortbestimmung kann für Indoor Navigation eingesetzt werden, welche aktuell vor allem innerhalb von Gebäuden, durch das schlechte GPS Signal, nur sehr ungenügend oder gar nicht möglich ist. Einsatzgebiete wären hier die Parkplatzsuche in einem Parkhaus, die Suche nach Exponaten in einem Museum, Standortbestimmung und Navigation zu Ständen auf Messen oder auch das Lotsen von Besuchern im Stadion. Ein naheliegendes Beispiel für die kontextbasierte Nutzerinteraktion sind aufpoppende Angebote beim Passieren eines Ladengeschäftes, um den Kunden zum Betreten des Geschäftes zu bewegen. Hier geht man davon aus, dass sich der Kunde in einer Low Involvement Situation befindet und durch die Meldung auf den Shop und die Angebote aufmerksam wird.

Des Weiteren ist jegliche Art von Zusatzinformation vorstellbar, wie das Einblenden von Beschreibungen, historische Fotos oder Videos bei Exponaten im Museum, das Aufrufen einer Bordkarte am Flughafen beim Zutritt in das Terminal oder Abfahrtszeiten und eventuelle Störungen der U-Bahn beim Betreten der Haltestelle. Auf diese beiden Haupteinsatzgebiete wird im Folgenden durch verschiedene, konkrete Anwendungsbeispiele am „Point of Sale“ genauer eingegangen.

 

Probleme des Handels – Lösungen mit iBeacon

Location Based Notifications

Im Einzelhandel geht es immer darum, möglichst viel Laufkundschaft in das Geschäft zu bekommen. Der einzige Weg die Aufmerksamkeit des Konsumenten zu erreichen und die Waren zu präsentieren ist klassischerweise das Schaufenster. Die iBeacons geben dem Händler die Möglichkeit, sich auch auf dem Smartphone des Konsumenten zu präsentieren, sobald er in die Nähe des Geschäfts kommt. Hierzu wird ein Sender im Eingangsbereich des Geschäfts mit dem maximalen Senderadius angebracht. Die Sender-ID wird mit Produktinformationen oder einem möglichst attraktiven Angebot für den potentiellen Kunden verknüpft. Wenn nun ein Kunde mit der entsprechenden App auf seinem Smartphone an dem Ladengeschäft vorbei läuft, wird auf seinem Handy automatisch eine Nachricht angezeigt. Mit dieser Meldung sollen Kunden angesprochen werden, welche bummeln und eventuell gar nicht das Ziel verfolgen den Laden zu betreten, sich aber dennoch in der Nähe aufhalten. Durch das, auf dem Handydisplay erscheinende, Angebot soll das Involvement des Nutzers erhöht werden, sodass er motiviert ist den Laden zu betreten. Hierbei kann es sich um klassische Angebote oder Rabatte handeln, wie sie auch in Schaufenstern zu finden sind. Sofern der Nutzer der App durch einen Login, wie bei einer digitalen Kundenkarte bekannt ist, können auch individualisierte Inhalte auf Basis des persönlichen Profils ausgespielt werden. Problemlos lassen sich auch unterschiedliche Meldungen ausspielen und im Nachhinein nachvollziehen, welche Angebote der Zielgruppe am besten gefallen. Durch diese Auswertung kann nachvollzogen werden, welche Angebote die Kunden dazu bewegen den Laden zu betreten und konvertieren.Dies macht eine Optimierung der Maßnahmen einfacher und den Erfolg der Kampagne messbarer.

 

Location Based Information

Da sich der Senderadius der iBeacons einstellen lässt, können innerhalb der App Informationen zu den Produkten angezeigt werden, welche sich in der unmittelbaren Nähe des Kunden befinden. Den praktischen Einsatz dieser Funktionen hat die Supermarktkette Marsh mit inMarket in den USA realisiert und durch den Erfolg der App das System im Januar 2015 mit eigener SmartWatch App erweitert. Neben der Erinnerung an die Produkte auf der digitalen Einkaufsliste, werden die Kunden beim Betreten des Marktes und an verschiedenen Positionen im Supermarkt über aktuelle Angebote informiert, welche in Ihrem direkten Umkreis liegen. Laut inMarket zeigen die bisherigen Erfahrungen dass die iBeacon Integration die App Nutzung, Retention und Markenbindung in den Stores erhöhen. Eine Fallstudie belegt, dass die Interaktion mit dem angebotenen Produkt bei den Nutzern, die eine Nachricht über die App bekommen haben 19-mal höher war gegenüber derselben App ohne Nachrichten. Im Supermarkt wurde die App von Nutzern die iBeacon Nachrichten erhalten haben 16,5-mal mehr benutzt. Auch die Bereitschaft die App auf dem Smartphone zu behalten, war bei den iBeacon Nutzern 6,4-mal so hoch. Wie das Beispiel der Supermarktkette Marsh zeigt, lassen sich diese Nachrichten absolut gewinnbringend für den Kunden einsetzen.

Dieser Mehrwert lässt sich am Beispiel eines Sportgeschäftes noch weiter ausbauen. Betritt ein Kunde die Verkaufsfläche, werden ihm im Bereich der Sportschuhe, die Schuhe in der unmittelbaren Umgebung angezeigt. Mögliche Sonderangebote werden hervorgehoben. Also genau das, was den Besucher auch gerade interessiert. Er verrät sein hohes Involvement unbewusst durch seine Position im Laden und durch die Verweildauer am Produkt. Der Kunde muss nicht aktiv im Internet oder in der App nach weiteren Informationen zu dem Schuh suchen oder einen QR-Code scannen.

Er nimmt nur das Handy aus der Tasche und sieht sofort relevante, produktbezogene Informationen innerhalb der App. Diese Informationen fangen bei einer ausführlichen Produktbeschreibung an, wie er sie sonst nur vom Verkäufer oder in einer Internetsuche erhalten würde. Zusätzliches Bildmaterial, wie ein Querschnitt der Sohle des entsprechenden Schuhs, kann diese Informationen ergänzen. Zudem sieht der Kunde auf einen Blick in welchen weiteren Farben der Schuh verfügbar ist, ohne dass dieser in allen Ausführungen auf der Ladenfläche stehen muss.

Die Auskunft über die Schuhgrößen sollte direkt mit der Lagerhaltung verknüpft sein, sodass auf dem Smartphone ersichtlich ist, ob das Produkt aktuell in der gewünschten Größe und Farbe verfügbar ist. Mit der App kann der Kunde nun direkt den Schuh seiner Wahl in seiner Größe aus dem Lager anfordern, ohne davor einmal mit einem Verkäufer gesprochen zu haben. Ein solches System kann auf Dauer ein enormes Einsparpotential in der Größe der Ladenfläche und in den Personalkosten ermöglichen. Eine weitere sinnvolle Verknüpfung der Produktdaten mit dem Onlineshop, ist die Anzeige von Produktbewertungen. Nachdem Amazon seit Jahren mit großem Erfolg mit Kundenbewertungen für seine Produkte arbeitet, wünschen sich immer mehr Verbraucher Bewertungen anderer Kunden in klassischen Onlineshops. Diese Bewertungen aus den Onlineshops lassen sich ideal wiederverwerten um dem Kunden auch am Point of Sale die Erfahrungen anderer Käufer anzuzeigen.

 

Soziale Komponente

Wie schon im vorherigen Absatz erwähnt wird, ist die Meinung anderer Konsumenten ein immer wichtigerer Einflussfaktor beim Kauf von Konsumprodukten. Neben den Produktinformationen sollten immer die Bewertungen anderer Kunden im Fokus der Darstellung stehen. Der Kunde hat so neben dem eigenen Eindruck immer die Möglichkeit schnell auf Erfahrungsberichte anderer zurückzuzugreifen. Um ausreichend Daten zu generieren wird der Kunde eine Wochen nach dem Kauf dazu aufgefordert, das Produkt zu bewerten, um seine Erfahrungen mit den anderen Nutzern zu teilen. Die Bewertung ist direkt Mobil und im Onlineshop verfügbar. Zudem gibt es die Möglichkeit die Bewertung auch direkt auf Facebook mit seinen Freunden zu teilen. Dies geht schnell und unkompliziert per App. Doch nicht nur produktbezogene Bewertungen für die gekauften Produkte sind möglich. Um die Marke zu stärken und das Geschäft bekannter zu machen, kann direkt beim Besuch aufgefordert werden, seinen Standort, Fotos und das Einkaufserlebnis auf den bevorzugten sozialen Netzwerken zu teilen und den Shop zu bewerten. Neben der Beliebtheit der Dienste wie Yelp und Forsquare setzt auch Facebook immer mehr auf ortsabhängige Dienste. Mit der Einführung von Facebook Places wird die Facebook App ab Ende Januar 2015 ortsabhängig Vorschläge zu interessanten Orten und Geschäften in der Umgebung ausspielen. Um diesen Service und die enorme Verteilung der Facebook App für sich zu nutzen, ist es für jedes Ladengeschäft von Vorteil, möglichst viel positiven, nutzergenerierten Inhalt in solche sozialen Apps mit breiter Nutzerbasis zu bekommen.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist eine direkte Fotografie Funktion für einen Artikel aus der App. Fotografiert man sich in der Umkleide mit einem bestimmten Artikel, kann diese Foto mit zusätzlichen Informationen zum Artikel aus der Datenbank, wie den Verkaufspreis direkt per WhatsApp oder Facebook mit seinen Freunden geteilt und eine persönliche Meinung eingeholt werden.

 

inHouse Navigation

Eine weitere Möglichkeit, für die sich iBeacons einsetzen lassen ist die inHouse Navigation. Techniken wie GPS oder WLAN sind nur sehr ungenau in der Positionsbestimmung in geschlossenen Gebäuden. Gerade in Museen, Messen bieten sich also iBeacons an um die Position des Smartphones zu bestimmen und somit auch eine Navigation zu realisieren und Besucherströme zu lenken. Auf der größten Messe für die Digitale Industrie in Europa (dmexco 2014) wurden in einem groß angelegten Pilotprojekt die Besucherströme Analysiert und entsprechend verschiedene Nachrichten ausgespielt. So gelang es zum Beispiel Besucher von zwei überfüllten Essensausgaben auf einen weiteren Essensstand hinzuweisen. Innerhalb von fünf Minuten gelang es so 38 Prozent der Besucher zu dem freien Stand zu lotsen. Diese Art des Einsatzes ist für Einzelunternehmen meist nicht relevant, jedoch für große Kaufhäuser oder Einkaufspassagen lassen sich hier die iBeacons hervorragend einsetzen.

Je mehr iBeacons in der Nähe sind, umso genauer lässt sich die Position einer Person durch Triangulierung bestimmen. Innerhalb der App lässt sich dies über eine Positionsanzeige auf einer visualisierten Karte realisieren. Befindet sich ein Kunde in einer High-Involvement Situation auf der Suche nach einem bestimmten Geschäft oder Artikel, kann er also direkt in der App nach einem Laden oder Produkt suchen.

Die App zeigt dann den Standort und die Lage des Ziels auf einer Karte an und zeigt dem Nutzer den Weg an. Die Navigationskomponente kann auch sehr gut mit der kontextbasierten Interaktion kombiniert werden. Lässt sich ein Besucher einer Einkaufspassage in ein Geschäft navigieren kann er sich direkt über die aktuellen Angebote und die gewünschten Produkte informieren. Zusätzliche Services wie eine Bestellung eines Kaffees, Reservierung eines Produktes oder das Anfordern einer persönlichen Beratung bei Ankunft können schon auf dem Weg erledigt werden.

 

Personalisierung durch Verknüpfung von Nutzerdaten

 

Einer der aktuellsten Trends neben Content Marketing im Bereich Onlineshopping ist die Personalisierung des Verkaufserlebnisses. Dies beginnt bei der persönlichen Ansprache im Shop oder Newsletter und geht über Produktempfehlungen bis hin zum Produktauswahl und Preisgestaltung auf Basis des Surfverhaltens und der Einkaufshistorie. Diese im Onlinehandel sehr erfolgreich praktizierte Erfahrung des individuellen Verkaufserlebnisses lässt sich mit Hilfe der iBeacons auch in das Ladengeschäft vor Ort übertragen.

Betritt ein Kunde den „Point of Sale“ wird ihm sofort angezeigt wo er ein Kleidungsstück, welches er online in den Warenkorb gelegt hat, im Laden findet. Auf Basis der im Onlineshop gesammelten Daten, kann also ein Retargeting im Geschäft realisiert werden. Ein zusätzlicher Kaufanreiz kann beim Kunden geschaffen werden, indem man ihm direkt noch einen persönlichen Rabatt auf genau diesen Artikel gibt. Durch die neuen Analysemöglichkeiten kann auch auf Dinge eingegangen werden, welche nicht aus dem direkten Einkaufsverhalten resultieren. Verbringt ein Kunde sehr viel Zeit im Laden, oder kommt jeden Tag vorbei, wird dies registriert, und auf dieses Verhalten reagiert. Ein Nutzer kommt zum Beispiel in einer Woche mehrmals in die Computerabteilung eines Kaufhauses ohne etwas zu kaufen. Dann ist es möglich, dass er einen Artikel haben möchte, sich aber noch nicht dafür entscheiden kann, diesen mitzunehmen.

Hier könnte man nun einen Anreiz schaffen, und einen persönlichen Rabattcode auf alle Artikel in der Computerabteilung auf dem Handydisplay einblenden. Genauso kann man umgekehrt die Daten vom „Point of Sale“ wieder im Onlinehandel nutzen. Da man genau weiß, wie lange sich der Kunde in welchem Bereich der Ladenfläche aufgehalten hat, kann diese Kategorie auch im Onlineshop in den Vordergrund gerückt werden. Wenn ein Kunde also im Sportfachgeschäft 30 Minuten in der Abteilung „Fußball“ war, ist es naheliegen ihm beim nächsten Besuch des Onlineshops Artikel aus dieser Kategorie direkt auf der Startseite anzubieten.

Die Firmen Unacast und Total Communicator Solutions entwickeln eine Lösung zum Retargeting, bei der dem Kunden nach dem Besuch im Ladens auf Facebook, YouTube und Co. Werbung zum entsprechenden Produkt angezeigt wird. Sodass dieser an das Produkt erinnert wird und den Kauf doch noch online abschließt. 3.6 Bezahlung Mit der Vorstellung der iBeacons durch Apple galt die Technik als Konkurrenz zu der von Google mit Android favorisierten Bezahltechnik über NFC (Near field Communication). Seit dem Jahr 2014 sind in jedem neuen Smartphone und auch einigen SmartWatches beide Techniken verbaut, sodass am Ende der Handel und die Akzeptanz beim Kunden entscheiden wird, welche Methode sich durchsetzen wird. Bei der iBeacon Lösung wird ein Sender mit sehr geringer Reichweite an der Kasse installiert.

Der Bezahlvorgang wird eingeleitet, wenn die Ware gescannt wurde und der Kunde das Smartphone in der Nähe des Senders platziert. Nun kann der Nutzer bequem wie in einem handelsüblichen Onlineshop bezahlen. Neben einer hinterlegten Kreditkarte, PayPal oder Sofortüberweisung können jegliche Onlineservices zur Bezahlung eingebunden werden. Auch neue, digitale Onlinewährungen wie Bitcoin sind vorstellbar.

Das Smartphone verifiziert den kompletten Bezahlvorgang per Internetverbindung. Nach der Verifizierung der Bezahlung kann der Kunde die Ware wie gewohnt direkt mit nach Hause nehmen. Dies macht Spontankäufe für jeden Kunden einfacher und bequemer, man benötigt keine Scheckkarten oder Bargeld mehr, sondern kann direkt schnell und flexibel mit seinem Smartphone bezahlen. Bei Onlineshops steigt die Konversion-Rate mit Einführung neuer Bezahlmethoden um bis zu 60%. Es bleibt abzuwarten ob sich ähnliche Effekte im stationären Handel auch einstellen. Ebenso einfach wird der Einsatz von Gutscheinen oder Rabattcodes, diese lassen sich direkt in die App einscannen. Alternativ können sie auch direkt digital ausgestellt und über das Nutzerprofil zugewiesen werden. Der Kunde kann diese dann jederzeit auf zukünftige Einkäufe verrechnen.

 

Tracking  und Heatmaps

Nicht nur der Kunde hat einen Mehrwert durch den Einsatz der iBeacons, sondern auch der Betreiber des Ladengeschäftes, Kaufhauses oder der Einkaufspassage. Der Einsatz dieser Technologie ist auch eine hervorragende Quelle zur Datenerhebung. Die Positionsdaten und die dauer der Aufenthalte der Kunden können ohne weiteres gespeichert und visualisiert werden, sodass man eine Heatmap des ganzen Areals erstellen kann.

Durch die Analyse der Besucherströme werden folgende Fragen beantwortet: Wie bewegen sich die Kunden? Wo verweilen die Besucher wie lange? Hiermit lässt sich bestimmen, welches die beste Lage für Geschäfte oder Produkte ist und wie interessiert die Besucher sind. Mit dieser Erkentnis lässt sich die Verkaufsfläche ständig optimiern. Gut frequentierte Plätze lassen sich optimal nutzen und schlecht frequentierte Flächen besser bewerben und eventuell ausschildern. Sogar eine Liveanalyse der Daten wäre möglich, sodass Besucherströme aktiv gelenkt werden könnten.

 

Aktuelle Probleme und Einschränkungen

Technische Einschränkungen

Die Technologie unterliegt zwei maßgeblichen Einschränkungen, welche zum einen die noch recht neue Technologie ist und zum anderen die Notwendigkeit einer installierten App. iBeacons funktioniert nur mit Bluetooth 4.0 fähigen Geräten. Dies ist bei Apple Geräten ab dem iPhone 4S, iPad 3 und iPad Mini ab der Betriebssystemversion iOS 7 der Fall. Bei Android muss mindestens Android 4.3 installiert sein und das Gerät muss den Bluetooth 4.0 Standard unterstützten. Eine Auswahl der Geräte der bekanntesten Hersteller sind Samsung Galaxy S3/S4, HTC One, Nexus 4 und neuer.

Da der Sender nur die eigene ID per Bluetooth übermittelt, muss auf dem Gerät eine App vorhanden sein, welche diese ID interpretieren kann und die gewünschte Aktion auf dem Smartphone ausführt. Ein Smartphone ohne die Applikation kann zwar das Signal empfangen, wenn es allerdings die ID nicht kennt, dann wird keine Aktion ausgeführt. Apple hat die App „Passbook“ auf iOS vorinstalliert.

Diese App kann das Signal von iBeacons interpretieren. Hierbei kann man zum Beispiel einen Gutschein per Newsletter an die bestehenden Kunden verteilen, wenn dieser den Gutschein in sein Passbook importiert, wird dieser automatisch beim Betreten des Ladengeschäftes aufgerufen. Diese Möglichkeit ist auf Apple beschränkt und erfordert eine vorherige Nutzerinteraktion, bei eingeschränktem Funktionsumfang.

 

Verwaltung von Nutzerdaten und iBeacons

Die Verknüpfung von Online und Offline kann nur dann richtig funktionieren, wenn der Datenbestand aus einem System gespeist wird. So müssen Lagerhaltung, Preise und Produktdaten im Onlineshop sowie im Laden aus einem System gespeist werden. Ebenso darf es, um ein sauberes Nutzererlebnis zu schaffen, pro Nutzer nur ein Profil geben, welches für die App und die Onlineshops genutzt werden. Da die meisten heutigen iBeacons keine direkte Stromversorgung haben, ist es unerlässlich, dass die Sender nach spätestens zwei Jahre ausgetauscht werden und damit eine neue ID gesendet wird. Auch aufgrund von möglichen Defekten muss eine Verwaltung eingerichtet werden. Um immer die aktuellen Daten in der App zu haben muss also eine Liste existieren, welche einfach aktualisiert werden kann und bei jedem Start der App vom Gerät überprüft und gegebenenfalls aktualisiert wird.

 

Zukunftsausblick und Fazit

iBeacons können das Verkaufserlebnis für den Kunden verbessern und eine Verknüpfung zwischen online- und stationärem Handel schaffen. Dies erfordert allerdings zum einen, eine gut ausgebaute Infrastruktur und zum anderen, eine gewisse Masse an Nutzern. Aufgrund dieser beiden Faktoren ist der Einsatz der iBeacons als Lösung für kleinere Einzelhändler nur im Ausnahmefall zu Empfehlen. Vor allem durch die nötige Verbreitung der Apps macht der Einsatz grundsätzlich bei folgenden Szenarios Sinn:

• Große Unternehmen bzw. deren Flagship Stores

• Einkaufspassagen und Händlergemeinschaften

• Übergreifend Apps wie Bonuskartenanbieter

• Lösungen mit eigene Hardware

Große Unternehmen wie Kaufhäuser, Elektronikgroßhändler oder Möbelhäuser können die Technik einsetzen, um das Erlebnis am „Point of Sale“ zu bereichern und die Verzahnung zwischen online und offline voranzubringen. Maßnahmen die potentielle Kundschaft in das Geschäft zu bringen und zusätzliche Produktinformationen wie Bewertungen zu bieten erscheinen hier als ideal. Auch eine Produktsuche mit Navigation zu dem entsprechenden Verkaufsbereich ist vorstellbar.

Außerdem kann hervorragend ein Mehrwert für bestehende Kunden geboten werden wie Rabatte, Boni oder Produkthinweise auf Basis des Kundenprofils. Als Komplettlösung in Einkaufszentren lassen sich Übergreifende Lösungen für alle Läden entwickeln. Eine zentral verwaltete App wird von allen beteiligten Läden gespeist und enthält so individuelle alle Angebote aller Shops in einer App.

Zudem kann die Navigation innerhalb des Einkaufszentrums mit Storefinder realisiert werden. Als eines der ersten deutschen Startups brachte das Hamburger Unternehmen Yoints GmbH, im Februar 2014, ein Bonuskartensystem mit iBeacon Unterstützung an den Start. Da sich für Yoints jeder Einzelhändler registrieren kann, ist es auch für kleiner Laden möglich auf eine große Nutzerbasis zurückzugreifen. Um zu vermeiden, dass jeder Nutzer eine eigene App benötigt, ist auch vorstellbar, dass eigene Hardware eingesetzt wird. Ein Beispiel wäre ein Tablet, montiert an einem Einkaufswagen, welches den Kunden durch die Verkaufsräume führt und Informationen über die jeweils umliegenden Produkte einblendet. Die Zukunft der iBeacons wird davon abhängen, wie sehr die Unternehmen dem aktuellen Trend folgen und auf diese Technologie setzen. Die technische Basis ist geschaffen und die Realisierung, wie auch die Integration in bestehende Applikationen relativ kostengünstig.

Wenn der Einzelhandel es schafft einen sinnvollen Mehrwert zu schaffen, werden auch die Nutzer schnell die Vorteile erkennen und ihren Nutzen aus dem für sie personalisierten Verkaufserlebnis ziehen, wie sie es schon vom Onlineshopping gewohnt sind.

 

Literaturverzeichnis

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